Bizarr (1)

Vor ein paar Tagen war ich auf recht vertrauten Wegen im Wald unterwegs. Es ist die Verlängerung vom Höhenweg oben links an der Waldkante entlang. Vom Balkangrill gestartet wird man nach einem strammen Anstieg über Am Steig mit einer herrlichen Aussicht über Melsungen belohnt. Der Weg windet sich geschmeidig durch Brombeerhecken und hat viele Birken – fast meine Lieblingsbäume. Die Kombination des Blicks mit dem manchmal verträumt anmutenden Weg – gesäumt von Birken – hilft mir sehr oft die Zeit zu vergessen (auch wenn sich das jetzt in der Tat sehr kitschig anhört). Genau in dieser Stimmung war ich auf diesem Weg.

In der Überzeugung also mit offenen Sinnen durch unsere schönen Wälder zu streifen, wurde ich an diesem Tag eines Besseren belehrt. Ich entdeckte auf halber Strecke zur kleinen Waldhütte plötzlich auf der rechten Seite eine horizontal gewachsene Birke, auf deren Stamm eine neue Birke wuchs. Dick bemoost der horizontale Stamm, der sich wie ein Fremdkörper von den bemüht aufrechten Nachbarbäumen abhebt. Diese ganze Erscheinung wirkte auf mich wie aus einem vergessenen Land lange vor unserer Zeit. Wo ist Frodo? Und dann noch diese tapfere, junge Birke, die es wagt, frech ihre Wurzeln in diesen Stamm zu bohren. Vor allem wunderte ich mich auch, dass ich die beiden vorher noch nicht entdeckt hatte. Fast war ich versucht zu denken „Die beiden standen doch gestern noch nicht da“. Meine Vernunft verhinderte jedoch diesen zugegebenermaßen absurden Gedanken. Also betrachtete ich diese bizarre Anordnung eingehender und konnte beim besten Willen nicht erkennen, wieso die Birke sich diesen Wuchs hat einfallen lassen.

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Bei meiner Recherche im Internet fand ich einen recht interessanten Artikel über Versuche an der Universität Hohenheim. Dort wird über eine Konstruktion (in ihrer Ursprungsform bereits 150 Jahre alt ist)  die Wahrnehmung der Pflanze manipuliert. Die Pflanze rotiert horizontal um ihre eigene Achse, weiß am Ende schlichtweg nicht mehr wo oben oder unten ist und wächst horizontal. Und das alles, damit irgendwann einmal im All Pflanzen wachsen oder Hauswände endlich von der Einheitspflanze Efeu befreit werden, indem Pflanzen und Bäume horizontal aus den Wänden wachsen. 

Allerdings halte ich es für abwegig, dass die Universität Hohenheim bei uns ein Außenlabor eingerichtet hat.

Ich werde auf jeden Fall weiter recherchieren. Und meine Sinne noch mehr für Außergewöhnliches in Wald und Stadt zu schärfen – es warten bestimmt noch einige, schnell übersehbare Überraschungen.

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